Stadtgeschichte
Lange bevor der 38. Abt des uralten Benediktinerklosters Niederalteich Abt
Hermann im Jahre 1224 in seinen Jahrbüchern, den "Annales Altahenses", die
Gründung der Stadt Landau mit dem Satz belegte "Oppidum in Landau
construitur a Ludwico duce Bawarie", beginnt die Geschichte der Menschen
hier in diesem Bereich. Seit mehr als 5000 Jahren, seit der Jungsteinzeit
also, ist das Gebiet um Landau fast durchgehend besiedelt. Bedeutende
Siedlungsspuren wie Kothingeichendorf bei Zeholfing gab und gibt der
Ackerboden immer wieder frei.
Die Stadt liegt, so kann man getrost behaupten, im Herzen Altbayerns,
inmitten des weißblauen Kernlandes, im Bereich der Unteren Isar. Die
Landschaft wird geprägt von sanften Hügelketten, die das Tal der Isar nach
beiden Seiten hin begrenzen. Von Landau schaut man auch schon hinüber ins
nahe Donautal, in die klassische "Kornkammer Bayerns", den fruchtbaren Gäuboden.
Vor ungefähr tausend Jahren, als Landau noch ein Dorf war, erstreckte sich
das Siedlungsareal zu Füßen des Berges am rechten Isarufer, dem Bereich
der heutigen "Unteren Stadt". Von hier aus hat der einst wild sich
gebärdende Alpenfluß noch 35 Kilometer Lauf vor sich, ehe er sich in die
Donau ergießt. Um 1200, im Zuge des Ausbaus des wittelsbacherischen
Territoriums und der Hausmacht der noch wenig einflussreichen, neuen Herzöge,
spielte Landau wegen seiner strategisch guten Lage schon sehr früh eine
wichtige Rolle. Eine Grenzstadt sollte den Einflussbereich der bayerischen
Herzöge gegen die begehrlichen Machtinteressen des Bischofs von Passau
absichern. Die Idee einer befestigten Stadt mit herzogstreuen Bürgern war
die logische Konsequenz. Landau wurde also gegründet und auch gleich zu
einem Verwaltungssitz ausgebaut, dem "Ampt Landau", das über Jahrhunderte
zu den steuerreichsten Einheiten der bayerischen Herzöge gehörte.
Die befestigte obere Stadt und die alte dörfliche Siedlung an der Isarbrücke
wuchsen bald zusammen, zu dem, was wir heute Landau nennen und als Stadt
kennen. Landaus große Zeit des wirtschaftlichen Wachstums war die Epoche
von 1250 bis zum Stadtbrand im Niederbayerischen Erbfolgekrieg im Jahr 1504.
In der späten Gotik blühten Handel und Gewerbe in der Stadt. Der vorhandene
Reichtum zeigt sich bis in unsere Zeit in einer Vielzahl von sehr wertvollen
Kirchenbauten und Ausstattungen. Die Bierbrauer, die Getreidehändler, die
Flößer und die Fuhrleute machten den Namen der Stadt weit über ihre Grenzen
hinaus bekannt. Das Landauer Maßsystem mit Metzen und Scheffel erlangte gar
überregionale Bedeutung und Ausbreitung.
Eine ständige Aufwärtsentwicklung der Stadt wurde durch verschiedenartige
Kriegsereignisse, Besetzungen, Plünderungen, Feuersbrünste, Seuchen und
durch das Landauer "Schicksalselement" Isar oft genug verhindert. Selbst
noch in den allerletzten Kriegstagen, am 30. April 1945, geriet Landau als
Brückenkopf der Nazis unter heftigen Beschuss der Amerikaner. Immer wieder
wurde man im Wettbewerb mit Konkurrenzstädten weit zurückgeworfen.
Aber die Landauer Bürger haben dadurch fast sprichwörtliche Überlebenstechniken
und Charaktereigenschaften entwickelt, die sie aus jeder noch so großen Not
gestärkt hervorgehen ließen. Landauer Bürger zeichnen sich auch heute noch
aus durch Selbstbehauptungswillen, Zähigkeit, Gemeinsinn und der Kreativität,
aus der Not eine Tugend zu machen. Ende des letzten Jahrhunderts, als die
ersten Fotografien hier gemacht wurden, präsentierte sich Landau als
beschauliches, etwas verschlafenes Provinzstädtchen mit rund 3000 Bewohnern.
Es hatte ein bäuerlich geprägtes Umland und als Bezirksstadt einen
Einzugsbereich mit etwa 15 Kilometern im Radius. Wer in Landau vor dem 2.
Weltkrieg Werkshallen, Fabriken und rauchende Schornsteine auf Bildern sucht,
wird enttäuscht. Handwerker, Landwirte, Kaufleute und Gewerbetreibende
beherrschten die Landauer Szene und fanden hier eine sichere Existenz. Jede
Industrieansiedelung blockte man kurzsichtig ab.
Landau, eine der ältesten Städte im Land der Wittelsbacher, hat eine über
775-jährige wechselhafte Geschichte hinter sich und gewiss keinen leichten
Weg im neuen Jahrtausend vor sich.
Von schwerwiegender Bedeutung für Landau war im 20. Jahrhundert sicherlich
der Verlust der Zentralität im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1972. Landau
verlor, trotz beträchtlichem Gebietszuwachs für die Stadtgemeinde und
einigen nach Landau "dislozierten" Ämtern, seinen seit Jahrhunderten
angestammten Sitz als Verwaltungszentrum in Form des Landkreissitzes,
ausgerechnet an die benachbarte Industriestadt Dingolfing.
Am Anfang des neuen Jahrtausends hat das Mittelzentrum Landau rund 13.000
Einwohner, eine "runderneuerte" Altstadt, ein blühendes Kultur- und
Vereinsleben, eine niedrige Arbeitslosenzahl, attraktive Wohn- und
Gewerbegebiete im Angebot, eine hervorragende Anbindung an das nationale
und internationale Straßennetz, eine gute Wohnqualität, einen hohen
Freizeitwert und insgesamt gesehen, eine durchaus vielversprechende
Startposition für die Anforderungen der neuen Zeit.
Aus Nik. Söltl
Archivbilder Landau