Stadtchronik

Teil 4: 1961 - 1999

1961

Der hier gebürtige Musikprofessor und bedeutende Komponist Arthur Piechler (gest. 1974) erhält das Ehrenbürgerrecht der Stadt Landau.

1964

Die neue „Umgehungsstraße“ mit der westlichen Umgehung Landaus bringt in der winkeligen Altstadt eine große Verkehrsentlastung. Die vielbefahrene B 20 führt nun außen um die Altstadt herum.

1965

Schon bei Bekanntwerden der Pläne für den Neubau der Kreissparkasse Landau wird im Stadtrat Kritik an dem „Betonklotz“ laut, der aber dennoch gebaut wird.

1965/1966

Die weltbekannte Firma der Unterhaltungselektronik Grundig nimmt mit Werk XII die Produktion in Landau auf. Grundig produziert hier von Anfang an Radios und Musikschränke nach der Devise: „ Jede halbe Minute ein Radio, jede Minute ein Musikschrank!“

1966

Inbetriebnahme des Neubaus der Kreisberufsschule Landau an der Kleegartenstraße.

1967

Das Landratsamt in Landau bezieht seinen Erweiterungsbau. Fünf Jahre später muß man dies als Fehlinvestition erkennen, da das Landratsamt aus Landau nach Dingolfing abgezogen wird.
Die Landauer Nachwuchsschauspielerin Uschi Glas erhält in dem Spielfilm „Zur Sache, Schätzchen!“ ihre erste Hauptrolle, nachdem sie in einem der Winnetou- Spielfilme in einer Filmnebenrolle auf sich aufmerksam machen und überzeugen konnte.
Die Eröffnungsfeier für das neue Gymnasium Landau findet im Parksaal statt. Mit dem Bau eines Schulgebäudes wird erst begonnen. Die beiden ersten Klassen werden in der Landwirtschaftsschule und in der Mitttelschule unterrichtet.
Am gleichen Tag öffnet auch die Sonderschule für Lernbehinderte mit 2 Klassen erstmals ihre Pforte.
Zu Weihnachten feiert die junge katholische Gemeinde in einer an der Pfarrer-Huber-Straße aufgestellten Baracke mit dem späteren ersten Pfarrer der Pfarrei St. Johannes Ev. Johann Peter einen ergreifenden ersten Gottesdienst.

1969

Die Arbeitslosenquote beträgt im Februar des Jahres 19,3 %. Das ist eine heute fast unglaubliche Zahl. Außerdem arbeiten noch ca. 50 % der Bevölkerung des Landkreises Landau in der Landwirtschaft, und das in rund 2.700 Betrieben.
Der fertig gestellte Neubau der Kreissparkasse mit Flachdachkonstruktion wird als „ein neuer, moderner Akzent im Stadtkern“ bezeichnet, aber bald als „Verschandelung“ des historischen Stadtbildes betrachtet und später mit einem Satteldach versehen.
In der Stadt herrscht schon seit längerem ein „Wasserkrieg“, weil die Stadt durch den Bau eines neuen Wasserwerks in der Kronawittau in Höhe von 5 Millionen DM gezwungen war, den Wasserpreis pro Kubikmeter schrittweise von 1 DM auf 2 DM zu erhöhen und eine Sonderzahlung pro Haushalt abzuverlangen.
Es gibt wütende Proteste der Landauer, aber kein Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht.
Der Betrieb der Firma Einhell-Thannhuber am Wiesenweg wird eingeweiht. Der aufstrebende Betrieb stellt Schalteranlagen, Transformatoren und Elektrogeräte her und schafft Arbeitsplätze.

Oktober 1969

Der Neubau des Gymnasiums an der Harburger Straße erhält durch Bischof Anton Hofmann in einem Festakt die kirchliche Weihe. Landau hat nun alle gängigen Schultypen in den Mauern.
Die zentrale Trinkwasserversorgung der Stadt wird von nun an durch einen Tiefbrunnen in der Kronwittau gespeist.

1. April 1971

Das Eicher- Traktorenwerk siedelt von Dingolfing nach Landau um, wo es seit 1951 produziert hatte. 800 Arbeitsplätze werden neu geschaffen. Eine neue Werksanlage im Norden der Stadt in der Nähe des Grundigwerks wird bezogen.
Das im alten „Brunnergarten“ entstandene neue Gebäude der zentralen Volksschule wird seiner Bestimmung übergeben. Grundschule und Hauptschule sind als zwei eigenständige Schulen nunmehr vereint unter einem Dach.

1. Juli 1972

Die in Bayern durchgeführte sehr umstrittene Gebietsreform bringt für die Stadt Landau einen Flächenzuwachs und einen Einwohneranstieg um über 3.000 Personen. Die ehemaligen Landgemeinden Frammering, Mettenhausen, Reichersdorf und Zeholfing sowie Teile der Gemeinde Kammern und Ganacker werden in die Stadtgemeinde integriert.
Sechs Jahre später sorgt die Eingemeindung der Gemeinde Höcking für ein weiteres Anwachsen der Einwohnerzahl und der Fläche.
Durch die Gebietsreform verliert Landau aber seine bisherige Zentralität als Kreissitz. Kreisstadt des neugeschaffenen Landkreises Dingolfing-Landau wird Dingolfing. Landaus Zentralitätsverlust wird durch eine „Ämterdislozierung“ etwas gemildert. Das Amtsgericht, das Forstamt, das Vermessungsamt und das Amt für Landwirtschaft bleiben hier.
Landau erhält aber ebenso den Status eines „Mittelzentrums“ zugesprochen wie Dingolfing.

1973/1974

Die „Lebenshilfe e. V.“, als Verein für den Landkreis Landau 1970 gegründet, eröffnet ihre moderne Einrichtung zur Förderung von geistig behinderten Kindern auf der Marienhöhe, am Standort des einstigen Jugendheims.

1974

Das neuerbaute Feuerwehrgerätehaus an der Höckinger Straße wird seiner Bestimmung übergeben. Die Stützpunktfeuerwehr Landau ist neben der von Dingolfing die schlagkräftigste im neuen Landkreis.
Im Jahr des 750-jährigen Stadtjubiläums erhält die Stadt eine zweite katholische Pfarrei St. Johannes Ev., die ihren Sprengel links der Isar hat. Der Hirt der jungen Gemeinde wird Pfarrer Johann Peter, der als Kurat der Motor für die neue Pfarrgemeinde war und im Provisorium, der „Barackenkirche“ an der Pfarrer- Huber-Straße, die Gemeinde schon vorher sammelte. An der Straubinger Straße ist hierfür ein modernes Kirchengebäude mit einem funktionalen Pfarrzentrum entstanden und wird seiner geistigen Bestimmung übergeben.

1975

Das schmucke Hallenbad mit einem 25 m-Schwimmbecken wird vom Landkreis Dingolfing-Landau als Sportstätte für das Gymnasium neben dem Freibad gebaut. Es geht vier Jahre später auf die Stadt über.

1978

Die Kläranlage hinter der Bockerlbrücke wird fertiggestellt und geht in Betrieb, zu einer Zeit, in der selbst größere Nachbarstädte noch lange ihre Abwässer ungereinigt in die Isar leiten.

1979

Das neue Kreiskrankenhaus am Bayerwaldring wird bezogen und ermöglicht der hiesigen Bevölkerung eine sehr gute medizinische Grundversorgung. Die Baukosten belaufen sich auf 42 Millionen DM.

1981

Die Schließung des Grundig-Zweigwerks Landau, das bis zum letzten Tag „schwarze“ Zahlen schreibt, trifft die Stadt bis ins Mark. Trotz heftigster Proteste der Gewerkschaft, der Arbeitnehmer und der Stadtbevölkerung verlieren ca. 800 Mitarbeiter, vor allem Frauen, ihren Arbeitsplatz.

1982

In Landau bildet sich ein Verein zur Gründung einer Musikschule, die später aus Kostengründen von der Stadt Landau übernommen werden muß.

1984

Die Eicher-Werke, schon seit Jahren schwer angeschlagen, schließen ebenfalls die Werkstore. Weitere Arbeitsplätze gehen in Landau verloren. Die Arbeitslosigkeit hält sich in Grenzen, da die nahen BMW-Werke einen Großteil der Arbeitslosen übernehmen.
Der Autozulieferungsbetrieb Dräxlmaier siedelt sich in den freistehenden Werkshallen der Firma Eicher an und entwickelt sich kontinuierlich zum größten Arbeitgeber in Landau mit derzeit ca. 1.200 Mitarbeitern.
Die Einweihung der Dreifachturnhalle mit Tennishalle im Sportzentrum links der Isar beschert Landau eine attraktive Sportstätte. Der Sportbetrieb des nahen Gymnasiums und der Realschule kann vorerst wieder planmäßig durchgezogen werden.

1985

Die Stadt erwirbt den zum Verkauf stehenden Kastenhof, den ehemaligen herzoglichen Amtssitz, aus privater Hand, um ihn als zentrales Gebäude der Altstadt einer hochwertigen öffentlichen Nutzung zuzuführen.
Das Begegnungsjahr „Ungarn zu Gast in Landau“ bringt den Landauern viele hochwertige kulturelle Veranstaltungen und schafft wertvolle menschliche Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg. Dem ersten Begegnungsjahr folgen noch solche mit Italien und Österreich.
Nach drei Jahren Bauzeit wird die vorletzte der geplanten Stützkraftstufen an der Isar bei Zulling fertiggestellt. Es entwickelt sich durch eingeplante Biotope und die große Wasserfläche in der Folge zu einem wahren „Vogelparadies“.

1986

Der „Landauer“ wird als Stadtbus eingeführt, um das weit auseinandergezogene Stadtgebiet besser aneinander zu klammern. Sein Stundentakt wird von der Bevölkerung von Anfang an gut akzeptiert.
Die Bürgerspitalstiftung zum Heiligen Geist in Landau bezieht ihr qualitätvolles, allen Ansprüchen gerecht werdendes, neues Altenheim in der Dr.-Godron-Straße, am Standort des abgerissenen alten Krankenhauses. Es hat so eine dauernde hohe Auslastung. Durch starkes Ansteigen des Anteils an Pflegefällen muß in den Folgejahren ein Erweiterungsbau geschaffen werden.

1987

Landaus verkehrstechnische Erschließung wird durch die Anbindung an die neue A 92, die von München nach Deggendorf führt, und eine eigene Autobahnausfahrt Landau optimiert. Die Stadt liegt nunmehr genau im Kreuzungspunkt der B 20 und der A 92.
Die Winzer aus der Schwesterstadt Landau in Pfalz veranstalten ihr erstes Pfälzisches Weinfest in Landau, das seither alljährlich mit großem Erfolg durchgeführt wird.

1988

Rund 40 Hektar Fläche werden im Norden Landaus als Gewerbe- und Industriegebiete ausgewiesen, um die schwache Wirtschaftskraft der Stadt zu verbessern. Die beiden Baugebiete „Landauer Wiesen“ und „Landau Nord“ werden durch die DGF 3 zusammengeklammert und an das internationale Verkehrsnetz angebunden. Durch die unvermutete Öffnung des Ostens entwickelt sich das hochwertige Industriegebiet zunächst, trotz kommerzieller Vermarktungsversuche, nur langsam. Der Städtische Bauhof ist der erste Ansiedler in den „Landauer Wiesen“ an der Kleegartenstraße.

1989

Die seit 15 Jahren fertiggestellte Stadtpfarrkirche St. Johannes bekommt doch noch ihren, von vielen Gemeindemitgliedern so heftig geforderten Turm.

1991

Landau erhält eine 3. Isarbrücke. Die neu ausgebaute B 20, seit der Grenzöffnung zum Osten mit starkem Fernverkehr belastet, führt nun westlich der Stadt ganz an Landau vorbei und tangiert somit nun auch den Stadtteil „Links der Isar“ nicht mehr.

1992

Die Erschließung des großen Wohnbaugebiets Landau Südost beginnt. Ein halbes Jahrzehnt später wird es von weit über 1.000 neuen Mitbürger bewohnt sein.
Die Landauer Stadtkapelle wird gegründet und bezieht ihre Kräfte aus dem Reservoir der hiesigen Musikschule, die im Verbund mit erfahrenen Blasmusikern bald einen guten Klangkörper ergeben.

1993

Die Kompostieranlage und der Wertstoffhof in der Nähe des Klärwerkes werden zu Sammelstellen für getrennte Wertstoffe im Stadtbereich. Der Umweltschutzgedanke zieht immer weitere Kreise.
Die Parkgarage Landau bei der zentralen Volksschule ist eine der letzten vom Staat geförderten Tiefgaragen. Sie liegt zentrumsnah und bietet 220 Parkplätze. Trotz modernster Architektur hat die Parkgarage eine längere „Durststrecke“ durchzustehen. Ein wichtiger Baustein in der Altstadtsanierung Landaus wird damit gesetzt.

1994

Der Eisenbahnbetrieb auf der „Bockerl-Strecke Landau-Arnstorf wird endgültig eingestellt, nachdem sein Start zu Jahrhundertbeginn als große Errungenschaft für Landau so stürmisch gefeiert wurde.

1995

Zehn Jahre nach Erwerb des Kastenhofes durch die Stadt wird dieser als Zweigmuseum der Prähistorischen Staatssammlung als „Niederbayerisches Vorgeschichtsmuseum“ seiner neuen Bestimmung übergeführt. Durch die Erfüllung von modernsten Museumsansprüchen wird er zwei Jahre später mit dem „Europäischen Museumspreis“ ausgezeichnet.

1998

Die Stadthalle am Standort des ehemaligen Parkcasinos wird fertiggestellt. Das 12 Millionen-Projekt wurde in einer einträchtigen Bauherrengemeinschaft von Stadt, der Pfarrei St. Maria und der Brauerei Krieger durchgezogen und finanziert.
In der Stadt gibt es nun wieder, nach langer Absenz, ein adäquates Saalangebot.
Die Trasse der ehemaligen Lokalbahn Landau-Arnstorf wird von den Gemeinden Landau, Eichendorf, Simbach und Arnstorf erworben und zu einem attraktiven Rad- und Fußweg ausgebaut, der das Isartal mit dem Vils- und dem Kollbachtal verbindet. Der erste Abschnitt Landau Bahnhof bis zum ehem. Bahnhof Landau Süd (Mausoleum) wird sofort sehr gut angenommen.
Der Um- und Neubau der Pfarrkirche St. Martin in Niederhöcking wird durch Bischof Manfred Müller aus Regensburg feierlich eingeweiht.

1999

Die Altstadtsanierung tritt mit der Umgestaltung der wichtigsten Straßenplätze Oberer Stadtplatz, Obere Hauptstraße und Marienplatz in ihre entscheidende Phase.
Im Norden Landaus, an der Gansmühlstraße, entsteht ein großflächiges Wohnbaugebiet, das in drei Abschnitten realisiert wird.
Das Heimatmuseum erstrahlt nach mehrjährigem Umbau und einer Neukonzeption der Dauerausstellung in neuem Glanze.
Das Jubiläum „775 Jahre Stadt Landau wird während des Jahres mit einer Reihe glanzvoller Veranstaltungen gefeiert, deren Höhepunkte der Festakt am 28. Februar und das große Bürgerfest mit ca. 25.000 Besuchern am 18./19. September sind.

Nik. Söltl