Stadtchronik

Teil 1: Beginn - 1898

Das Gebiet der Stadt Landau, an der Isar und am Hügelland sowie am Rand des niederbayerischen Lößgebietes gelegen, wird zu Recht als "Kern des niederbayerischen Fruchtlandes" bezeichnet. Es ist uraltes Kultur- und Bauernland. Seit mehr als 5000 Jahren, als bei uns in der Jungsteinzeit erstmals Bauern auftreten, ist Landauer Boden fast durchgehend besiedelt. Dabei ist Kothingeichendorf (bei Zeholfing) der klassische Ort bayerischer Vorgeschichte, aus der älteren und mittleren Jungsteinzeit stammend. Schriftliche Aufzeichnungen zur Stadtgeschichte beginnen erst im Mittelalter:

1074

wird erstmals die Burg "Ahausen" in der Gründungsurkunde des Klosters St. Nikola zu Passau erwähnt. Sie stand auf dem jetzigen Kalvarienberg, zu ihren Füßen zur Isar hin war bereits eine dörfliche Siedlung vorhanden, die "Land-Au" hieß.

1224

Herzog Ludwig

steht in den "Annales Altahenses", geführt von Abt Hermann von Niederalteich, folgender wichtiger Eintrag: "Oppidum in Landau construitur a Ludwico, duce Bawarie", zu deutsch: "Die Stadt Landau wurde von Ludwig, dem Herzog von Bayern, erbaut." Somit ist Landau nach Passau, Kelheim (1181), Landshut (1204), Vilshofen (1206) und Straubing (1218) die sechsälteste Stadt Niederbayerns und kommt vor Deggendorf (1250), Dingolfing (1251) und allen anderen Städten.

1233

machte der bayerische Herzog die junge Stadt gleich zu einem seiner Mittelzentren. Er setzte für das "Amt" Landau einen Richter als seinen persönlichen Stellvertreter ein. Der hieß Otto. Landau war eines von insgesamt 34 Ämtern, in die der Herzog Otto II. sein Bayernland einteilte.

1249

wird Pfarrer Gozwin urkundlich als Dekan in Landau erwähnt. Dies lässt annehmen, dass Landau seit seiner Gründung auch Pfarrsitz ist.

1263

führte die Stadt bereits ein eigenes Siegel. Es ist damit das älteste aller bekannten Gemeindesiegel in Niederbayern.

1304

erhielt die Stadt von den beiden gleichzeitig regierenden Herzögen Otto III. und Stephan I. von Niederbayern die Verbriefung ihrer bisher schon ausgeübten städtischen Sonderrechte. Das Landauer Stadtrecht lehnte sich eng an das von Landshut aus dem Jahre 1279 an. Die Originalurkunde ist noch erhalten, im Gegensatz zu Landshut. In den nächsten zwei Jahrhunderten gestaltete sich in der herzöglichen Stadt eine günstige wirtschaftliche Entwicklung. Das Bürgertum gelangte zu Wohlhabenheit und Reichtum durch Handel und Handwerk. Landau wurde zu einer bedeutenden Handelsstadt Altbayerns. Die Brücke über die Isar an einer verkehrsreichen belebten Handelsstraße und der Fluss selber als vielgenützter Wasserweg trugen dazu bei. Die "große Dult" in Landau war zu der Zeit der größte Warenmarkt im Donauraum zwischen Regensburg und der Enns in Österreich. Das Landauer Getreidemaß hatte weithin seine Geltung in Niederbayern.

1313

Pfennig mit dem Bild eines Ritters

hatte Landau hohen Besuch in seinen Mauern. Es verhandelte der oberbayerische Herzog und spätere deutsche Kaiser, Ludwig der Bayer, im herzoglichen Landauer Schloss mit dem österreichischen Herzog Friedrich dem Schönen. Es ging um die Vormundschaft der unmündigen niederbayerischen Prinzen. Man ging im Zorn auseinander und traf sich bei der Schlacht von Gammelsdorf wieder, wo Friedrich geschlagen wurde.

1335

bestand bereits das "Heiliggeist-Bürgerspital" in Landau als Stiftung - zur Versorgung der Alten und sozial Schwachen in der Stadt. Das neue moderne Altenheim in der Dr.-Godron-Straße ist heute noch Stiftungs-Eigentum.

1335

wurde wahrscheinlich die "Landauer Bürgerzeche" gegründet, die somit Landaus ältester Verein war und sich erst 1851 auflöste. Sie war eine genossenschaftliche Vereinigung Landauer Bürger, die eine gemeinsame Kasse gründeten, um den Mitgliedern Vorteile religiöser Art, wie Totenmessen, Gebete, Gedächtnisgottesdienste usw. sicherzustellen.

1440

entstand die hochgotische Hl.-Kreuz-Kirche mit ihren drei überaus wertvollen Flügelaltären. Der Bau dauerte ein Menschenleben. Um 1480 wurde auch die Stadtpfarrkirche St. Maria in dem derzeit modernen gotischen Stil umgebaut und vergrößert.

1486

wird die "Sebastiani-Bruderschaft" gegründet, zum Zwecke der Verehrung des Heiligen Schutzherrn der Stadt, lange vor dem bekannten Pestbrauch. Die Bruderschaft besteht heute noch als ältester der zahlreichen Landauer Vereine.

1504

Der 29.06.1504, das war ein schwarzer Tag für Landau: Im "Landshuter Erbfolgekrieg" wurde die Stadt fast vollkommen durch Brand zerstört. Dabei verlor sie ihr typisch mittelalterliches Gesicht. Götz von Berlichingen, in den Reihen der Belagerer, nannte "Landau, ein faules Nest".

1558

wurde der Landauer Stadtpfarrer Johann Schwab wegen Sympathisierens mit der Lehre Luthers abgesetzt und aus der Stadt verjagt. Die Reformation ging also auch im erzkatholischen Niederbayern nicht spurlos vorbei. Es wurde gleichzeitig aus Kirchenkreisen beklagt, dass die Landauer Bevölkerung nach Ortenburg, zu den Evangelischen, hinausläuft.

1562

war Dr. Sigmund Viehauser, ein bedeutender Sohn der Stadt Landau, als bayerischer Gesandter auf dem Konzil von Trient. Zu der Zeit und noch lange hin bestimmten die Zünfte das gesellschaftliche Leben und die handwerkliche Ordnung in der Stadt. Dazu gehörte auch die genau festgelegte Auswahl der Handwerksgerechtigkeiten jeder Zunft. Demzufolge gab es in Landau 9 Bäcker, 7 Metzger und 18 (!) Bierbrauer. Folgende andere 15 Zünfte sind genannt: Fischer, Schäffler, Binder, Leinweber, Maurer, Müller, Schöffmüller (Schiffmüller), Sattler, Seiler, Schmiede, Schneider, Schuster, Tuchmacher, Wagner und Zimmerleute.

1648

ging auch das letzte Jahr des "Dreißigjährigen Krieges" schadlos an Landau vorüber: Durch Zahlung von 5.000 Talern an die Schweden rettete sich die Stadt vor Brandschatzung, Plünderung und Zerstörung.

1698

Der Große Krieg hatte in Landau dennoch sein Andenken hinterlassen. In der Zeit der Entstehung vieler Wallfahrten während des Barocks wurde auch an Landaus Stadtrand eine in der Folgezeit sehr beliebte Wallfahrtskirche, zu "Maria im Steinfelse", gebaut, zurückgehend auf ein Kriegserlebnis eines Landauer Feldwebels der Landfahne in Straubing.

1713

wurde der Neubau der heutigen Stadtpfarrkirche durch Stadtpfarrer Phillip Jakob Rappoltsberger im Barockstil in Angriff genommen. Der Neubau wurde erst durch ein testamentarisches Erbe, in Höhe von über 21.000 Gulden, der Freifrau Maria Theresia von Puechleuten auf Wildthurn ermöglicht. Baumeister war Dominikus Magzin, von dem auch u. a. die Klosterkirche Aldersbach stammt.

1713

machte der "Schwarze Tod" in Landau reiche Beute. Innerhalb von 6 Wochen starben 80 Personen an der Pest und wurden im eigens angelegten "Pestfriedhof" außerhalb der Stadt, nahe Hl. Kreuz, eingegraben. Einem damaligen Gelöbnis folgend findet alljährlich, bis auf den heutigen Tag, die Sebastianiprozession statt.

1726

wurde die Steinfelskirche zusammen mit der heutigen Stadtpfarrkirche geweiht. Letztere ist der größte und schönste Barockbau an der unteren Isar.

1743

Stadtansicht zur Zeit des Österreichischen Erbfolgekriegs 1743

wurde die Stadt im "Österreichischen Erbfolgekrieg" von den belagernden und abziehenden Franzosen in Schutt und Asche gelegt. Die nachfolgenden Österreicher plünderten was noch zu holen war. Der Kirchturm war mit "dem schönen Geleuth ausgeprunnen, all übrige Häuser und Städl pranten völlig zu einem Aschen- und Steinhaufen zusamben". Verschont blieben nur der "Kastenhof" des Herzogs, der Kirchenraum von St. Maria und das eben neu ernannte "Franziskanerhospiz" südlich des Kastenhofes.

1750

half der "gute Vater Max", Kurfürst Max III. Joseph, der völlig verarmten Stadt; z.B. durch Vereinnahmung eines Bierpfennigs von allen Brauern im Umkreis von zwei Stunden. Auch die österreichische Kaiserin Maria Theresia ließ der Stadt nach Friedensschluss zum Wiederaufbau 600 Dukaten zukommen.

1796

wurde das blutrünstige, aber traditionelle Landauer Passionsspiel am Karfreitag, der Androhung von Zuchthaus zum Trotz, wenn auch zum letzten Mal aufgeführt. In der Zeit der Aufklärung hatte so eine "Comedi" keinen Platz mehr.

1803

wurde unter dem "allmächtigen" Minister, Graf Montgelas, die Stadt Dingolfing dem Landgericht Landau einverleibt. Ein Gerichtsbezirk entsprach in etwa einem heutigen Landkreis. 35 Jahre waren die Dingolfinger darüber sehr verschnupft, ehe die Anordnung geändert wurde.

1825

wurden die Verbindungsstraßen Landau - Mamming und Landau - Frammering - Ettling gebaut. Landau bekam Hinterland.

1829

hatte Landau 1624 Einwohner und 300 Häuser. Der Fortschritt und die Technik hielten Einzug in das verträumte Landstädtchen.

1840

bekam Landau eine "Eilpost" mit der Postkutsche.

1850

wurde die letzte hölzerne Brücke über die Isar errichtet, die bis in das 20. Jahrhundert herein benutzt wurde.

1859

nahmen "Englische Fräulein" ihr Schaffen in der königlichen Bezirksstadt auf. Sie gründeten eine "Rettungsanstalt für Waisen und verwahrloste Kinder in Landau" und im gleichen Jahr die Mädchenschule.

1863

Landau Stadtansicht um 1860

wurde die hiesige freiwillige Feuerwehr gegründet. Die bisherige Bürgerpflicht der Brandbekämpfung wurde organisiert.

1875

wurde die Strecke Plattling - Landau - Mühldorf dem Eisenbahnbetrieb übergeben. 5 Jahre später war die Hauptstrecke bis Landshut fertig. Dabei versäumten es die Landauer, anstelle von Plattling Knotenpunkt des niederbayerischen Eisenbahnnetzes zu werden.

1898

wurde die Stadt an das elektrische Stromnetz angeschlossen, im gleichen Jahr, in dem Madame Curie das radioaktive Radium entdeckte.

weiter zu Teil 2 (1900 - 1959)

Nik Söltl