Isarübergang bei Landau am 30. April 1945
Eine Pionierleistung der 71. US Infanteriedivision- von Nik Söltl
Aus dem Hauptquartier der 71. US-amerikanischen Infanteriedivision heraus gab Generalmajor W. G. Wyman am 9. Mai 1945, dem Tag nach der deutschen Kapitulation, folgenden Tagesbefehl, in dem die Einsatzorte der Division in Zentraleuropa noch einmal rekapituliert und gewisse Eckpunkte und Meilensteine bis zum Sieg in Europa besondere Erwähnung finden. Unter den „Heldentaten“ der Division findet auch der Übergang über die Isar in Landau gebührend Erwähnung. Hier nun die Übersetzung des Wyman- Befehls zum VE- Day, dem Tag des Sieges in Europa (Victory Europe- Day) am 8. Mai 1945.
9. Mai 1945
An alle Mitglieder der 71. Infanterie Division und der angeschlossenen Einheiten
Der Krieg mit Deutschland ist vorüber.
Ehe wir uns nun einem neuen Auftrag zuwenden, möchte ich meine herzlichen Glückwünsche an alle Mitglieder dieser Division ausdrücken für die glänzende Ausführung der vielen Aufgaben, die ihr gestellt waren.
Von dem Tag an, an dem Sie Ihre Unterkunft zur Gefechtsvorbereitung in Le Havre verlassen haben, sind Sie in einem Zeitraum von 92 Tagen marschiert, haben einen großen Teil des Weges gekämpft, über eine Entfernung von 1060 Meilen (ca. 1700 Kilometer) hinweg. Sie haben über 80.000 Kriegsgefangene gemacht, die meisten davon im Kampf.
Von dem Tag an, an dem Sie südlich von Bitche der 7. Armee angegliedert wurden, zusammen mit dem 15. und dem 20. Corps, gab es keinen Bruch in der Intensität der gemeinsamen Anstrengungen. Große geschichtliche Ereignisse sind in Ihre Erinnerungen eingeschrieben durch die heldenhaften Taten von Mitgliedern der Division. Sie wurden in den „Siegfried- Wall“ geworfen, um Pirmasens einzunehmen, was Sie ohne zu zaudern taten. Ihr Vormarsch setzte sich fort zum Rhein hin, wo die Höchstleistung ihrer Tapferkeit in das Blut von heldenhaften, gefallenen Kameraden zu Speyer und Germersheim geschrieben wurde.
Ein plötzlicher Wechsel der Stoßrichtung verlegte die Division von der 7. Armee zur schnell vorstoßenden 3. Armee, wo Sie über den Rhein geworfen wurden, um die Nachhut des 22. Corps zu decken. Östlich von Nanau (gemeint ist Hanau) wurden Sie mit hart kämpfenden Elementen der 6. SS Gebirgsdivision „Nord“ konfrontiert, die Sie zerstörten. Dabei hat jedes einzelne Battalion reibungslos im Team zusammengearbeitet. Weiter ging es durch Fulda und Meinungen, ständig dem Feuer kleinerer Kampfgruppen ausgesetzt, denen Sie es nicht ermöglichten Sie aufzuhalten. Coburg und Bamberg wurden Auf ihrem weiteren Vormarsch eingenommen.
Der Transfer zum 20. Corps gab uns einen neuen Auftrag, als wir nun in südöstlicher Richtung nach Velden, Sulzbach (-Rosenberg) und Amberg fegten. Sie überquerten den Regen bei Regenstauf, die Donau bei Regensburg, die Isar bei Landau, den Inn auf Dämmen östlich von Braunau, die nur nach einem hartnäckigen Gefecht und unter großen Mühen unserer Pioniere gesichert werden konnten.
Wir hielten erst an unserem Operationsziel an der Enns bei Steyr, aber mit Patrouillen stießen wir tief ins feindliche Gebiet bis Weidhofen und Amstetten vor, den am weitesten östlich gelegenen Punkt, den je amerikanische Bodentruppen im „Europäischen Theater“ erreicht haben.
Sie haben es verhindert, dass große Strapazen, die körperlichen Belastungen von Berg- und Flussüberquerungen Sie stoppen können. Der Feind hat Sie stets nur vorübergehend aufhalten können. Sie haben eine glorreiche Seite in der Militärgeschichte unseres geliebten Landes geschrieben. Sie sind nun alt gediente, in der Schlacht erprobte Armeeangehörige. Mögen Sie auch weiterhin die hohen Werte, die Sie sich selbst gesetzt haben, aufrecht erhalten, ob es nun in weiteren Kämpfen in Asien oder in der Besatzungsrolle hier in Europa sei.
Ich grüße Sie.
W. G. Wyman
Kommandierender Generalmajor USA
Generalmajor Willard G. Wyman befehligte die 71. Infanteriedivision von November 1944 bis August 1945.
Der historische Tagesbefehl Wymans nennt den Isarübergang bei Landau ausdrücklich als einen wichtigen vorletzten Schritt zur Niederwerfung des letzten Restes Hitler- Deutschlands in Südostbayern, gegen Österreich hin.
In der „Kampf- Chronik“ der 71. US Infanteriedivision wird auf dieses Ereignis an der Unteren Isar vom 30. April 1945 noch genauer eingegangen.